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Die Perlenfischerei im Vogtland

Die Flussperlmuscheln leben in Kolonien in klaren, kalkfreien, kühlen, ständig fließenden Bächen. Die Tiere graben sich mit dem Vorderteil in den Untergrund.

Ursprünglich kamen sie im oberen Vogtland in etwa 60 Bächen vor. So bei Oelsnitz und Adorf. Unter 2000 – 3000 Muscheln findet sich einmal eine Perle. Die Entnahme erfolgt durch das Spreizen der beiden Schalen. Das Tier erleidet dadurch keinen Schaden und wird in das Wasser zurück gebracht.

Seit dem 16. Jahrhundert wurde im Vogtland die Perlenfischerei betrieben. Die sächsische Krone hatte darauf das Anrecht. Also waren alle gefischten Perlen an das Herrscherhaus abzuliefern. Die Muschelkolonien wurden durch besoldete Perlfischer gehegt und ausgebeutet. Ein besonderes Anrecht darauf besaß die in Oelsnitz ansässige Familie Schmirler, die das Amt von 1621 bis 1918 inne hatte.

Genau verbucht erhielt die Krone von Sachsen von 1719 – 1804 aus den vogtländischen Gewässern 11286 Perlen.

Im Grünen Gewölbe in Dresden befindet sich eine Kette mit 177 vogtländischen Perlen. Sie gehörte zum Schmuck der damaligen Kurfürstin Maria Amalie Augusta.

1845 begann Moritz Schmirler mit dem Schleifen von Muschelschalen nach Freilegung der innen glänzenden Perlmuttschicht. Es wurden Zier- und Geschenkartikel hergestellt. Später entwickelte sich daraus die Knopfindustrie. Das Gewerbe ist heute ausgestorben.

Die Muscheltiere stehen heute unter Naturschutz. Umwelteinflüsse und Raubbau reduzierten die Bestände. Gab es 1964 noch etwa 28000 – 30000 Exemplare, so waren es 1974 höchstens noch 2000 – 4000. Um die Tiere vor dem Aussterben zu bewahren, wurden 1100 Muscheln umgesetzt. Sie werden vom Institut für Landesforschung beobachtet.

Die Flussperlmuschel im Vogtland stellte einst eines der größten Vorkommen in Europa dar. Dies bildete die Grundlage für die bis 1927 in der Region betriebene und für Mittelgebirge recht ungewöhnliche Perlenfischerei. Mitte des 19. Jahrhundert entstand daraus ein Handwerk, welches die Schalen der Muscheln und später von Meeresschnecken verarbeitete. Die obervogtländische Stadt Adorf entwickelte sich darin zur Deutschen Perlmutterstadt. Unzählige Artikel des Raum- und Tafelschmucks sowie des Körperschmucks wurden aus Perlmutter gefertigt. Das Adorfer Museum besitzt dazu die größte museale Sammlung in Deutschland und stellt mit seiner einzigartigen Ausstellung die Farbenvielfalt des Naturrohstoffes Perlmutter und den Zusammenhang zwischen der Flussperlmuschel, der Perlenfischerei und der Perlmutterverarbeitung dar.