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's ist Schwammezeit

Eine der liebsten Beschäftigungen der Vogtländer ist das "in de Schwamme geh", auf hochdeutsch Pilze suchen. Ist es erst einmal Sommer und steht in unserem Heimatblatt der "Freien Presse" das es Schwamme gibt, dann stehen mehr Autos am Waldrand als Pilze. Wie die Kinder auf Weihnachten, wartet der richtige Vogtländer auf die Schwammezeit. Jede Familie hat "ihren" Wald und jeder richtige "Schwammegokel" hat seine speziellen "Schwammeflecken" die auch immer zuerst aufgesucht werden. Überhaupt gibt es hierfür einige ungeschriebene Gesetze. "In de Schwamme" geht es immer früh beizeiten am besten vor dem Aufstehen, wenn die Sonne gerade aufgegangen ist und der Tau noch auf den Waldwiesen liegt. Wenn die Familie am Wochenende aufsteht, ist der Vater schon "von de Schwamme" wieder da und ein großer Korb mit Pilzen steht auf dem Küchentisch. Im Volksglauben war man der Meinung, daß die Pilze über nacht wachsen und sie dann in der Früh frei von Schneckenfras und Maden sind.

Der echte "Schammegeescher" (hdt. Pilzjäger) ist ein Einzelgänger und geht maximal zu zweit in dem Wald. Kindergeplärr, Hundegebell und lautes rufen sind ihm ein Graus. Früher, als noch nicht jeder ein Auto hatte, oder als mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren wurde gab es auch schon mal Fahrgemeinschaften. Aber im Wald ging man sich dann auch aus dem Weg.

Zünftig sind ein "Schwammekorb", der auch nur dafür benutzt wird, zum Sammeln und natürlich das "Schwammemesser", daß auch nur dafür benutzt wird.

Zusätzlich dazu halten sich noch ein paar Legenden, an die ein jeder auch mehr oder weniger glaubt. So sollen Pilze, wenn man sie einmal gesehen hat nicht mehr wachsen und mit dem "Schwammemesser" in der Hand läuft man nicht herum, weil sich dann die anderen Pilze verstecken.

Das gleich gilt, wenn man giftige oder ungeniesbare Pilze umstößt. Bei zunehmendem Mond wachsen die Pilze am besten und feuchte Jahre sind gute Schwammejahre.

Hat man einen schönen Pilz gefunden, so wird er entweder vorsichtig aus der Erde gedreht oder abgeschnitten. Das Pilzmyzel soll ja möglichst nicht beschädigt werden. Die Abschnitte, auch madige Stücke werden nicht so einfach liegen gelassen sondern versteckt, damit niemand anderes auf den Fleck aufmerksam wird.

Dabei sind unsere Wälder gar nicht mehr so ertragreich. Es gibt gute Schwammejahre und schlechte und auch Jahre, da gibt es gar nichts. Die Luftverschmutzung, der saure Regen und auch die vielen Schwammesucher haben das ihrige dazu beigetragen. Es gibt aber in den letzten Jahren Grund zum Optimismus. Verschiedene Arten, die man viele Jahre gar nicht gesehen hat tauchen wieder auf. So der Steinpilz, die Rotkappe und auch der Sandpilz.

Die gesammelten Pilze werden ehe man aus den Wald geht im Korb schön dekoriert. Die schönen nach oben, ein paar Fichtenzweige dazwischenund wenn die Ausbeute mal nicht so gut war, dann kommen auch schon mal ein paar Tannenzapfen oder Moospolster unte drunter, Man will sich ja keine Blöse geben.

Zuhause angekommen müssen die Schwamme möglichst schnell verarbeitet werden. Zuerst wird sortiert und dann wird geputzt. Ist der "Schwammegeescher" im Wald am liebsten allein, ist bei der Verarbeitung jede Hilfe willkommen. Die besten Pilze, vornehmlich die Röhrenpilze werden für den Winter getrocknet. Eine Handvoll Schwamme gehört an jede Bratensauce (vogtl. "Brie"). Natürlich hat die Gefriertruhe das Einsalzen und Einkochen der Pilze ersetzt, aber bei den Rezepten für Pilzgerichte hat man es doch lieber traditionell. Zum Abendbrot gibt es dann erstmal "gebratene Schwamme". Dafür werden alle weniger schönen Pilze verwendet. Das gleiche gilt für "Bambes mit Schwammebrie". Für den vogtländischen Pilzeintopf die "Schwammespalken" braucht man eine bessere Qualität, denn das Auge ist ja mit.