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Die Holzflößerei im Vogtland

Die Wirtschaft des Mittelalters war ohne Holz der Wälder nicht denkbar. Der Hauptbedarf an Holz lag bei Brennholz und Holzkohle. Die Berg- und Hüttenwerke, die Eisenhämmer, die Salinen und die Glashütten waren „Holzfresser".Aber auch als Rohstoff für das Handwerk sowie als Wärme- und Energiequelle im Hausbrand war Holz unverzichtbar. Da es wenige Straßen und Holzabfuhrwege gab, war die Nutzung des Waldes ein Transportproblem. Die Verfrachtung von Holz auf Bächen und Flüssen war demzufolge die einzigste, einfachste, billigste und bequemste Art, Holz über weite Strecken zu befördern und so einen Ausgleich herzustellen zwischen den im Überfluss lebenden Waldgebieten des Erzgebirges und des Vogtlandes und den Holzmangelgebieten in Nordsachsen.

Die Scheitholz- oder wilde Flößerei - auch als Trift bezeichnet - auf allen Bächen möglich. Die Stadt Plauen, 1122 erstmalig als Vicus Plawe erwähnt, leitet sich ab von plavha, der Floßplatz, galt als das Zentrum der Flößerei an der Elster. Die Herausbildung mittelalterlicher Wirtschaftszentren wie Leipzig, Halle, Zwickau oder Schneeberg wäre ohne die Flößerei nicht möglich gewesen. So bildet auch der Wald und seine Nutzung ein zentrales Kapitel in der Geschichte von Sachsen. Holzfäller fällten die Bäume mit der Axt und sägten die Äste am liegenden Stamm ab. Mit dem Schrotbeil wurden die Baumstämme in die Länge von einem Meter, das waren 7/4 der Zwickauer Elle, zerlegt und diese Rundhölzer gespalten, zu so genannten „Scheitern".

Gestapelt in Klafter erfolgte mittels Hand- oder Pferderückung vorwiegend im Winter der Abtransport zum Floßgewässer , wo es erneut gestapelt wurde. Bei beginnender Schneeschmelze wurden die Scheite in die Bäche bzw. künstlich angelegten Floßgräben geworfen. Der größte künstlich angelegte Floßgraben im Vogtland ist der Kielfloßgraben zwischen Mühlleithen und Muldenberg. Auf ihm wurde Holz von 1632 bis 1872 getriftet. Er ist am besten erhalten, als Technisches Denkmal ausgeschieden und ein beliebter Wanderweg. Zum System der künstlichen Gräben gehört der obere Graben von Muldenberg zu den Rissfällen und der untere Graben von Muldenberg bis zum Gehlenbach. Der große Elsterfloßgraben im Unterland war mit 93 Kilometern der längste seiner Art. Zur Verlängerung der Floßzeit bzw. Steigerung der Wasserkraft waren meist Floßteiche vorgelagert. Alle heute noch existierenden Teiche mit einem Grundablass waren einst Floßteiche. Am Floßplatz vor dem Peterstor in Leipzig, einem der Endziele unseres vogtländischen Holzes, waren bis zu einhundert Arbeiter beschäftigt, die das Holz aus dem Wasser nahmen und auf großer Fläche stapelten. Die Flößerei gab in jener Zeit vielen Menschen Arbeit und Brot. Fast zwanzig verschiedene Berufe dokumentierten die wirtschaftliche Stärke der Flößerei. Die Einnahmen aus der Flößerei in Sachsen übertrafen den Silbererzbergbau. Das Zentrum der vogtländischen Kurzholzflößerei war bis Ende des 19. Jahrhunderts zweifelsfrei der Ort Muldenberg. Das Holz war auf dem Wasserweg bis nach Leipzig nach mehrmaligen Aussetzen bis zu drei Jahre unterwegs.