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Plauen - Stadt des Jugendtstils

Nach der Reichsgründung 1871 (Gründerzeit) griff man in der Architektur auf Elemente der Neugotik und dem Neubarock zurück. Nach Außen hin war das ein Aushängeschild von Reichtum und Macht. Doch die Kunst begehrte gegen diese Rückbesinnung auf. Man suchte eine "Neue Kunst", "art nouveau" genannt. Schon 1896 erschienen in der Münchener Zeitung "Jugend" Illustrationen, die pflanzliche Ornamente in den Vordergrund brachten. So entstand eine neue künstlerische Stilrichtung, die sich "Jugendstil" nannte.

Charakteristisch sind die weichen, geschwungenen Linien. Darstellung von Pflanzen, Blättern, Blumen, Astwerk, auch Tieren. Kränze aus Blattwerk umrahmen Fenster und Hauseingänge. Gern verwendet werden Schilfwerk, Schwan und Sonne.

In der Blüte des Jugendstils, Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts erlebte Plauen den Aufstieg von einer Kleinstadt zur Großstadt (1907). 1912 hatte Plauen ohne die Randgemeinden eine Einwohnerzahl von 128 Tausend. Das hatte eine rege Bautätigkeit zur Folge. Ganze Stadtviertel wurden aus dem Boden gestampft. Die Neundorfer Straße wurde zu der 1903 erbauten König-Georg-Kaserne ausgebaut. Es wurden Wohnungen für die Offiziere und ihre Familien benötigt.. Dazu kamen der Bau des Gymnasiums und des Lehrerseminars. Heute wieder sichtbar die schöne Dittesstraße. Wunderschöne Jugendstilbauten am Dittrichplatz, aber auch in den anderen Stadtvierteln wurden leider Opfer des Bombenterrors.

Durch die Renovierung der alten, unter Denkmalschutz stehenden Häuser erstrahlen die Fassaden in neuem Glanz. Natürlich waren die Baumeister keine Künstler und dazu noch den Wünschen und Geldmitteln der Bauherren unterworfen. Deshalb wurden die Schmuckelemente vielfach aus Katalogen herausgesucht und Jugendstilelemente schon einmal mit klassizistischen, historizistischen oder Renaissanceformen gemischt, was aber trotzdem durchaus sehenswert ist.

Auch in Haselbrunn (z.B. Gustav-Freitag-Straße), dem Preiselpöhl (Haydnstraße, hintere Beethovenstraße), der Stadtmitte (Bahnhofstraße) und beim Unteren Bahnhof (Trockenthalstraße) finden wir fein farblich abgestimmt neu renovierte Fassaden. Darum wird nicht zu Unrecht Plauen als die Stadt des Jugendstils bezeichnet.

Bei einem Gang durch die Stadt sollte man immer mal einen Blick auf die schönen Hauswände rechts und links riskieren. Dann denkt man auch mit Respekt und Hochachtung an die Heerscharen von Bauleuten, die das damals schufen, an die Architekten und Baumeister, die Maurer und Zimmerleute, die Stukkateure und Dachdecker, aber auch an die Handlanger, die ihre schweren Ziegelkiepen und "Kallischbottiche" auf dem Buckel bis hinauf in die obersten Stockwerke schaffen mußten.