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Die Plauener Spitze

Die Plauener Spitze ist das höchstveredeltste Produkt der deutschen Textilindustrie. Mit diesem Erzeugnis wurde die Stadt Plauen weltbekannt.

Schon im Mittelalter produzierten die Plauener Schleierherren feine Baumwollgewebe für den Weltmarkt. Das weiche Wasser der Weißen Elster und der Fleiß und das Geschick der Vogtländer garantierte höchste Qualität. Über die Leipziger Messen wurden die Stoffe bis ins Mittelmeergebiet verkauft. Mit der industriellen Revolution überschwemmten billige englische Stoffe den Markt und die Etablierung der Stickereiindustrie war eine logische Fortsetzung der textilen Tradition. Nach 1810 verbreitet sich die mit der Nähnadel ausgeführte Plattstichstickerei. 1836 gibt es die ersten Versuche mit Handstickmaschinen, um die steigende Nachfrage nach bestickten Musselinen und Batisten befriedigen zu können.
Es dauert 22 Jahre, ehe die ersten derartigen funktionstüchtigen Maschinen in Betrieb genommen werden können. Dann wächst die Branche explosionsartig.

1872 sind in Plauen 239 Betriebe ansässig, in denen mehr als 900 Handstickmaschinen arbeiten. 1880 wird erstmals - eine technologische Weltneuheit - maschinengestickte Tüllspitze hergestellt, die später unter der Bezeichnung «Plauener Spitze» weltweit begehrt ist. Auf der Weltausstellung 1900 wird sie mit dem Grand Prix ausgezeichnet.
1912 wird Plauener Spitze auf insgesamt 16 000 Maschinen gestickt. Im gleichen Jahr leitet eine Dauerkrise für lange Zeit den Niedergang der vogtländischen Spitzen- und Stickerei-Industrie ein. 1935 sind in Plauen 277 gewerbliche Stickereifirmen tätig. Zehn Jahre später, am Ende des zweiten Weltkriegs, ist Plauen zu vier Fünfteln zerstört, die meisten Stickereikapazitäten und Musterkollektionen vernichtet.

Fünf Jahre später lebt die Spitzen- und Stickerei-Industrie in privaten Industrie- und Handwerksbetrieben wieder auf. 1953 wird der erste Volkseigene Betrieb (VEB) in dieser Branche gegründet. 1972 werden die meisten privaten Unternehmen zwangsverstaatlicht. Zehn Jahre später werden im nunmehrigen VEB Kombinat Deko Plauen auf 1400 Stickmaschinen Spitzen gefertigt und in mehr als 40 Länder exportiert.

Nach der Wende beginnt die Umwandlung der volkseigenen Stickereiunternehmen in Kapitalgesellschaften durch Privatisierung und Rückübertragung. Schon im April 1990 wird der Branchenverband Plauener Spitze und Stickereien gegründet. Heute gibt es mehr als 70 Firmen, deren Erzeugnisse wieder in aller Welt gefragt sind.