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Die vogtländische Tracht

Auszug aus „Unser Vogtland“
III. Band 20.Heft v. Januar 1897

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Den Kopf bedeckt die mit großem Schirm versehene Tuchmütze „ De Dachmitz“. Die Frauen und Mädchen haben ebenfalls weiße oder blaue Strümpfe mit Schnallschuhen an. Vier bis fünf  übereinander getragene kurze und sehr faltige Unterröcke, die sogenannten „Reichnbächer“, verursachen ein korpulentes Aussehen. Der Oberrock besteht aus seidigen gemustertem Stoff, ebenso wie die darüber gebundene Schürze. Diese wird mit breiten, sehr langen seidenen Bändern mit Schleife gebunden. Junge Mädchen und Frauen tragen ein samtenes Mieder. Darüber das Bunte Busentuch, das am Hals mit einer Nadel zusammengehalten wird.
Ältere Frauen tragen den „Spenzer“. Das ist eine kurze, mit Watte dick gefütterte Weste. Blüten, weiße weite Bauschärmel bedecken den Oberarm.  Junge Mädchen tragen ein über den Kopf gebundenes dunkles Tuch mit bunten Ecken und langen Fransen. Diese Ecken werden oben auf dem Kopf sehr hübsch mit einer Schleife geordnet, wobei die Fransen über die Stirn fallen. Verheiratete oder ältere Frauen tragen die „Buckelhaube“. Diese sitzt am Hinterkopf und eine Menge dunkler seidener Bänder hängen herab und schwarze breite Spitzen umsäumen sie. Das Schlussstück der Haube ist hinten der abgeflachte Haubenfleck oder „Die Schau“. Er ist mit Flitter und Stickerei besetzt und oft sehr wertvoll, da die Stickerei oft aus echtem Gold gearbeitet ist. An Schmuck werden lange silberne oder goldene Ohrgehänge geliebt.

Im südlichen Vogtland und Gebiet Asch, Hof trägt man statt der Buckelhaube eine Haube, um die ein mit schwarzen Fransen verziertes Tuch geschlungen ist. Die Mädchen haben die Haare glatt nach hinten gekämmt und zu einem Knoten gebunden. Das Haar der älteren Frauen wird am Hinterkopf zu einem Nest geflochten und mit einem zweispitzigen Hornpfeil gehalten. An den Schläfen werden sogenannte „Schneckenhäuseln“ gedreht.

Die alte vogtländische Tracht ist meist in dunklen Farben gehalten und nicht auffallend.

Der Mann trägt knie- oder lange lederne Hosen. Die Kniehosen sind unten an der Außenseite etwas aufgeschlitzt und werden mit einem Riemen zusammengehalten, der auch den weißen oder blauen Strumpf hält. Die rindsledernen derben Schuhe sind mit großen Messingschnallen versehen. Man trägt auch „Langschäfter“. Die Seiden- oder Samtweste ist buntgestreift und mit vielen Knöpfen besetzt. Das Hemd ist aus grober selbstgefertigter Leinwand („Leimet“) gemacht und der breite, ungestärkte Kragen über die Weste gelegt und wird mit einem buntseidenen oder baumwollenen Tuch zugehalten. Der nur an Sonn- und Feiertagen getragene Rock ist aus schwarzem oder blauem Tuch, sehr lang und mit großen Knöpfen.